Sonntag, 4. Dezember 2011

Transition Towns - Auf dem Weg zur erdölfreien Stadt?

Bild: Alexandra M. Quint





Aus England kommt die "Transition Town" - Bewegung, deren erklärtes Ziel der schnelle Abschied vom Erdöl und die bewusste Gestaltung des Übergangs in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft ist. Seit 2006 haben sich zahlreiche Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in Städten und Gemeinden weltweit gebildet. Was ist ihr Anliegen?


Aus einer kleinen Idee wurde eine weltumspannende Bewegung. Initiativen, die sich unter dem Titel “Transition Town”, Stadt im Wandel, gebildet haben, streben an, eine alternative Stadtkultur zu entwickeln, die die postfossile Ära mit dem Wandel hin zur Nutzung erneuerbarer Energien bewältigt. Regionale Kräfte werden gebündelt und vernetzt und die Relokalisierung der Wirtschaft forciert. Selbst wieder aktiv zu werden ist - kurz gesagt - die Strategie der Transition Town – Bewegung.

Hintergrund - Im Jahr 2005 entwickelten die Studenten des Kinsale College of Further Education in Irland den ersten “Energy Decent ­Action Plan” (Aktionsplan zur Energiesenkung). Sie untersuchten alle Bereiche ihrer Gemeinde auf ihre Abhängigkeit von externen Energiequellen hin, wobei sich herausstellte, dass dies in den meisten Fällen Erdöl ist. Daraufhin stellten sie einen Aktionsplan auf, wie innerhalb der nächsten zwanzig Jahre die Gemeinde sich so weit mit Energie, Nahrung und Produkten des täglichen Bedarfs selbst versorgen könnte, ohne auf Importe von Energieträgern angewiesen zu sein. Betreut wurde das Projekt wurde von den irischen Wissenschaftler Rob Hopkins.

Rob Hopkins zog 2006 ins südenglische Städtchen Totnes. Dort beschäftigte er sich intensiv mit Berichten über die anstehende Erdölverknappung, wie sie unter anderen die Dokumentation The End of Suburbia eindringlich aufzeigt. Dies bewegte ihn, aktiv zu werden und Strategien zur Vorbereitung auf das Erreichen des Erdölfördermaximums (Peak Oil) zu entwerfen.
Sein Vorgehen war dabei primär auf die praktische Anwendung in Städten und weniger auf einen theoretischen Ansatz ausgerichtet: Totnes sollte “Transition Town” werden und das mittels simpler Schritte: Obst- und Gemüseanbau in ungenutzen Gärten, die Umwandlung von Parkflächen in Kleingärten, die Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs um pflanzenölgetriebende Motor-Rikschas aus Indien und die Gründung der Totnes Renewable Energy Supply Company.

Er vertritt die Meinung, dass weitreichende Veränderungen des Lebensstils und des globalen Wirtschaftssystems lediglich aus der Gesellschaft, aus einem Buttom-up-Prozess heraus geschehen kann. Aus seiner Sicht gilt es, die Zukunft der Daseinsvorsorge selbst in die Hand zu nehmen.

Ganz klar wird dabei die Notwendigkeit zum Wandel nicht vor dem Hintergrund einer Krise betrachtet, sondern dieser vielmehr als ein großer Möglichkeitsraum für Entrepreneurship, Kreativität, Gemeinschaft und eine Optimierung der Lebensqualität gesehen.

Mittlerweile zählen zur Transition Town-Bewegung weltweit betrachtet über 450 Initiativen – vor allem in den industrialisierten westlichen Ländern – darunter zahlreiche in Deutschland.

Über die Bewegung
Artikel Weniger Öl, mehr Regionales auf geo.de

Arte-Dokumentation "Transition Towns"


Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  2. Habt ihr dazu noch mehr Infomaterial?

    LG Peter

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  3. Lieber Peter,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Im Netz lassen sich an vielen Stellen weitere Informationen zur Transition-Bewegung finden. Hier eine kleine Auswahl:

    Geo-Artikel "Transition Town: Testfall Totnes:
    http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/63941.html

    youtube-Video - Expertenstimmen erklären den Transition-Ansatz: http://www.youtube.com/watch?v=todAmw0nuLM

    Entdeckt, bislang aber noch nicht gelesen und evaluiert habe ich die Publikation "The Transition to Sustainable Living and Practice", 2009 von Liam Leonard und John Barry herausgegeben:
    http://books.google.de/books?id=Zp5qJIL6O1sC&pg=PA1&dq=transition+town&hl=de&sa=X&ei=reX5TuSnOZmQsAb_y7nJDw&ved=0CDYQ6AEwAQ#v=onepage&q=transition%20town&f=false

    Falls du über meine Informationstipps hinaus hilfreiches Material finden solltest, dann schicke mir doch gerne eine E-Mail an enterthecity.blog@googlemail.com
    Ich würde die Informationen gerne über das Blog an alle Leserinnen und Leser weitergeben.

    Herzlichst,
    Alexandra

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